reflections

Draussen auf dem Land Teil I

Es ist endlich September und ich warte schon den ganzen Sommer darauf. September heisst, etwa ab Mitte des Monats wird in unseren Breiten endlich das Sternbild des Stieres wieder zu sehen sein - und damit der Sternhaufen der Plejaden.
Und weil ich es nicht erwarten kann, Kopfschmerzen habe und mir langweilig ist, bin ich eben mal losgetigert um zu schauen was man am ländlichen Mitternachtshimmel heute so sieht. Leider ist selbst so weit draussen wie hier die "Lichtverschmutzung" immer so so enorm, dass ich mir die Hand zum Blendschutz an die Sitrn halten muss, wenn eine Straßenlaterne in der Nähe ist. Gut, dass mich keiner gesehen hat. Wirklich viel sehen kann ich allerdings auch nicht. Zu wolkig, wie immer. Ausserdem hängt der Stier heute leider doch noch zu tief am Horizont und selbst in meinem Kaff sind da zu viele Häuser im Weg. Mitten in der Nacht auf den ömmeligen Feldwegen rumlaufen will ich dann doch auch nicht unbedingt. Also gurke ich ein bisschenn weiter durchs Dorf, auf meiner persönlichen Sightseeing - Tour. Dort auf dem Parkplatz am Sportplatz haben wir immer gegammelt. Pärchenweise im Auto, die ganze Clique verstreut... und auf der kleinen Wiese nebenan habe ich meinen ersten richtigen Kuss bekommen. Von jemandem, der inzwischen bereits tot ist. Unglaublich. Ein paar Meter weiter an der Klostermauer hatte ein Anderer mal "I love you" für mich hingesprüht. Ist inwzischen auch schon wieder beseitigt. Und die Schrift auf dem beleuchteten Hinweisschild der Dorfschänke ist nur deshalb erneuert worden, weil ich sie einst im absoluten Vollrausch angefangen habe abzurupfen. Ja mein Ort hat mir einiges zu verdanken! In den alten Klostergebäuden neben der anschaulichen Basilika ist inzwischen eine Jugendherberge untergebracht. Manchmal laufen hier Gruppen von verwirrt aussehenden Jugendlichen durch den Ort, dann weiss man: es hat wieder eine arme Schulklasse erwischt. Viel gibt es hier nämlich nicht zu sehen oder zu tun. Obwohl... ich laufe das kleine Klostergässchen entlang und entsinne mich, dass ich einst mit flegelhaften 16 Lenzen hier im Auto meines Nachbarn meine ersten Fahrversuche hatte. Alkoholisiert. Der Nachbar hing auf dem Dach. Für den Rückweg haben wir dann Plätze getauscht. Ach was hatte ich Spaß! Und hier: in dem mehr als windschiefen Haus gegenüber wohnte doch dieser eine Alt-Hippie, der immer genug Gras für uns alle gebunkert hatte. Selbiger, der diese absolut schrillen, nur im Delirium zu ertragenden Fraktalbilder gemalt hat und sich mittels einer Sicherheitsnadel und eines Pfennigstückes die Backe perforieren konnte. Goa in der Wetterau!
Irgendwie erinnert mich das Ganze an Berlin. Dort habe ich auch so viele Erinnerungen und dort fühle ich mich auch irgendwie zu Hause. Nur dass in Berlin nicht so viele merkwürdige kleine Einfamilienhäuser rumstehen, die ich gruselig finde. Keine Ahnung, warum, aber auf mich wirken die großen Berliner Altbaubunker immer beruhigend. Und noch viel mehr die Hinterhöfe. Schade nur, dass ich nie in so einem gewohnt habe. Haus, nicht Hof. Hier ist nach 23 Uhr jedenfalls alles dunkel und wenn ich nicht Postal Service im Ohr hätte, könnte ich das Schlurfen meiner Schuhe beim Laufen hören. Irgendwann ziehe ich wieder in die Stadt.
Wieder daheim merke ich wieder, dass meine Kopfschmerzen immer noch da sind...

11.9.08 01:03

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